Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik

 

 

Damit das Altern keine Angst mehr macht

 

Mit jedem neuen Jahr machen sich viele von uns gute Vorsätze, wie sie ihr Leben verbessern können: Mehr Sport, gesünder essen, mehr Zeit mit Familie und Freunden, eine Weiterbildung machen oder endlich mal an die Altersvorsorge denken. Man muss nicht abergläubisch sein, um das Gefühl zu haben, ein neues Jahr sei auch gleichzeitig eine neue Chance. Und es lohnt sich eigentlich immer, alte Muster in Frage zu stellen, Neues auszuprobieren und an die Zukunft zu denken. Wenn ich mich heute an meine Anfangszeit in der Veranstaltungsbranche erinnere, zieht es sofort im Rücken: Wie schwer die Lautsprecher, Mischpulte und Lichtanlagen früher waren, die wir geschleppt, angeschlossen und später wieder abgebaut haben. Im Verhältnis zu früher tut heute ja schon der Rücken weh, ohne dass man etwas Schweres gehoben hat. Wenn ich daran denke, dass es in unserer Branche Menschen gibt, die mit über 50 noch schwer heben und Nächte durcharbeiten müssen, immer auf Achse sind und in manchen schlimmen Fällen noch nicht einmal privat Geld für die Rente übrigen haben, frage ich mich, wie können wir dem nachhaltig begegnen und Lösungen schaffen!

Der Lifestyle und der Arbeitsalltag unserer Branche, den man mit Anfang 20 genießt, werden ab einem gewissen Alter zur Herausforderung. Ehrliche, harte Arbeit verdient Respekt, aber man sollte sich auch stets den eigenen Fähigkeiten und Kräften entsprechend weiter entwickeln dürfen. Niemand hält bis 50 das Arbeitspensum durch, das man als junger, engagierter und hungriger Kerl und Frau locker gestemmt hat. Und warum auch? Jeder hätte es ja auch verdient, dann später entspannt im Sessel zu sitzen und darüber zu schwadronieren, wie schwer früher die MT4-Topteile waren. Aber im Ernst: Altern oder die Zukunft generell sind Themen, über die bislang innerhalb unserer Branche zu selten gesprochen wird. Das sollten wir aber tun, wie ich an zwei Punkten festmachen möchte:

Vorsorge – aber richtig
Mir fehlt innerhalb unseres Wirtschaftszweiges eine Herangehensweise an den Themenkomplex, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und geprägt ist von den Säulen Finanzierbarkeit und hoher Versorgungsqualität. Es ist klar, dass viele von uns Hilfe brauchen, wenn sie älter werden – weil die Kräfte schwinden, weil man sich verletzen oder krank werden kann, weil auf einmal Kinder da sind und eine Familie versorgt werden muss, weil das Leben häufig nicht so verläuft, wie man es plant und gerne hätte. Was wir brauchen, ist eine Struktur, die uns Halt gibt und widerstandsfähig macht gegen die negativen Aspekte der Zukunft.

In vielen anderen Branchen gibt es dafür Kammern, die neben der Qualitätskontrolle der Arbeit auch Kranken-, Renten-, Pflegeversicherung und vieles mehr aus dem Bereich Versorgung übernehmen. Ob das ein Modell sein kann für unsere Branche, sollten wir zumindest einmal ergebnisoffen diskutieren. 

Die vernünftigen Unternehmer versichern sich schon heute und geben ihren Mitarbeitern ein normales, versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Doch auch ich kenne viele Chefs und selbstständige Einzelunternehmer, die nie einen Cent zurücklegen für eine private Vorsorge. Wir haben das Glück, in einem Land zu leben mit guten sozialen Sicherungssystemen. Aber sich blind darauf verlassen, dass die Gemeinschaft sowieso einspringt, das geht nicht!

An dem Punkt müssen wir arbeiten. Jeder in der Branche muss verantwortungsbewusst sein und für sich vorsorgen. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern sollte direkt in den ersten Karrierejahren angegangen werden. Im Grunde reicht es schon, nicht den ganzen Jahresgewinn wieder in neue Geräte zu investieren. Nicht immer lohnt sich so eine Investition, wenn die Auftraggeber im nächsten Jahr schon wieder auf einem ganz anderen Zug aufspringen.

Wie sollen Arbeit und Beschäftigung bleiben, wie sollen sie sich ändern?
In den vergangenen Jahren wurde immer häufiger über all die großen Veränderungen gesprochen, die in Zukunft auf uns zukommen sollen. Die Digitalisierung allein würde zu einer riesengroßen Disruption führen, einer Unterbrechung alter Muster und einer komplett neuen Arbeitswelt. In Teilen mag das auch auf die Veranstaltungsbranche zutreffen: Aber solange noch Veranstaltungen gemacht werden, zu denen Menschen kommen – so lange brauchen wir auch Menschen, die die Arbeit machen. Trotz aller technischen Helferlein: Ich bin überzeugt, allein dank Hand, Auge, Ohr, Kreativität und Emotionen wird der Menschen bei Events auch in Zukunft einer Maschine überlegen sein.

Doch es werden sich Dinge verändern. Durch die Automatisierung in vielen Bereichen werden auch bei uns bestimmte Dinge effizienter gemacht. Im Bereich Logistik oder Lagerverwaltung ist das schon deutlich zu spüren. Auch stellt sich die Frage, wie sich beispielsweise die Übertragungstechnik verändert. Durch die Versteigerung der Funkfrequenzen werden Hersteller von schnurloser Technik, beispielsweise Mikrofone, schon heute gezwungen, sehr kreativ zu werden, damit das Live-Erlebnis nicht leidet. Dank der Kreativität und Liebe zur Tüftelei werden wir in der Branche noch viele wunderbare Innovationen erleben, die unseren Arbeitsalltag verändern werden. Doch auch Arbeit an sich wird sich ändern und wie wir das Ganze wahrnehmen. In der Politik wird inzwischen parteiübergreifend über eine Reform des Steuersystems gesprochen, manch einer setzt große Hoffnungen wie dem Bedingungslosen Grundeinkommen. Es bleibt also spannend, wie wir mit den Herausforderungen und Chancen umgehen.

Wichtig ist aber: Veränderungen passieren, die Zukunft wird spannend und herausfordernd. Ich wünsche mir darüber eine offene und konstruktive Diskussion in der Branche. Ein Zurück zu alten, vermeintlich besseren Zeiten wird es nicht geben!

Helge Leinemann ist der Vorstandsvorsitzende des VPLT

 

 

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